Es wird Blut geben

Was kann denn schöner sein als sich an Weihnachten zu kloppen? Selbst Psychologen bescheinigen der “besinnlichsten” Zeit des Jahres ein enormes Konfliktpotential, weil der Druck auf die Beteiligten gigantisch ist. Schließlich hat ja jeder so seine Vorstellungen von dem, wie das Fest auszusehen hat. Perfekt muss es sein. Auch wenn es hier und da mal zu Handgreiflichkeiten kommt, der meiste Frust wird heruntergeschluckt oder einfach unterdrückt. Kein Wunder das bei so viel Quality Time, wie wir jungen Leute heute so sagen, die Scheidungsraten nach den Festtagen steigen (genau wie nach den Sommerferien). Und das unverdauter oder unterdrückter Frust nicht gut sind, weiß mittlerweile jeder. Deshalb raus damit.

Um dem ganzen Spektakel und potentiellen Konflikten von vornherein aus dem Weg zu gehen, setze ich mich gerne, dass sollte an dieser Stelle keine Überraschung mehr sein, in warme, sonnige Gefilde ab. Mit ansteigendem Vitamin D Vorrat, springt das Herz und lacht die Seele. Dieses Jahr habe ich aber noch ein weiteres Ziel verfolgt, mich ganz dem Muay Thai hinzugeben. Muay Thai ist in unseren Breiten als Thaiboxen bekannt und diente ganz pragmatisch der Selbstverteidigung, ganz besonders wenn es um den Lieblingsfeind, den Burmesen ging.
. Vereinfacht erklärt funktioniert es wie Kickboxen (Fäuste und Tritte), nur das zusätzlich auch Knie und Ellbogen zum Einsatz kommen und zusätzlich geclincht wird. Alle Techniken sind mir zwar von Zuhause aus bekannt und trainiert, doch hätte ich nie den Anspruch erhoben es zu können. Und so viel vorweg, auch jetzt nicht.

Thaiboxen ist in Thailand, was für Deutschland der Fußball ist, der Nationalsport. Deshalb gibt es auch hunderttausende Kämpfer, die allabendlich in den hunderten übers Land verstreuten Stadien, aus Freude zu Sport und Wettkampf und natürlich auch für Geld, kämpfen. Für viele von Ihnen bildet dieser Sport eine substantielle Einkommensquelle, die je nach Erfolg stärker oder schwächer sprudelt. Diese Kämpfer aus allen Geschlechtergruppen, reichen von Kindern über Jugendliche und Erwachsene, bis hin zu Kampfgreisen, die mehr als 700 Ringkämpfe in ihrem Leben bestritten haben. Im Laufe der weiteren Beschreibung dieses Sports, werde ich vereinfacht und verallgemeinernd vom Thaiboxer oder Kämpfer sprechen, um so ein Bild entstehen lassen zu können.

Das Angebot an Sportstätten für Muay Thai (Gyms) ist groß. Dabei werden unterschiedliche Leistungsstufen abgedeckt. Von der einfachen Bespaßung für Farangs, die beim Anblick der Sporthose schon durchgeschwitzt sind, bis zweimal 4 Stunden Training am Tag, nach einem 10 km Aufwärmlauf. Ich entschied mich für, wie sich später rausstellen sollte, den goldenen Mittelweg. Ich hatte anscheinende gut recherchiert, denn mein Programm war zwar fordernd aber auch machbar. So landete ich eines frühen morgens bei Hongthong Muay Thai, wenige Kilometer östlich von Chiang Mais historischem Stadtzentrum. Das Gym wurde für gute zwei Wochen mein neues Zuhause. Wie die meisten meiner MItstreiter, bekam ich ein eigenes und gut ausgestattetes Zimmer als Teil des Trainingsdeals. Von nun an lief mein Schweiß literweise für zweimal zwei Stunden jeden Tag, außer Sonntags, da lief Kultur. Doch bevor ich zum ersten Training kam, wurde ich zur Begrüßung auch schon von den Thaitrainern zum Frühstück eingeladen. Schwups steckten mir zwei Thaifinger rohe Schweineleber in den Mund. Um diesem Happen die Reise in den Magen zu vereinfachen und vermutlich auch um dafür zu sorgen das es sich um einen one way trip handelt, gab es Thaiwhisky hinterher. Nun war ich Teil des Teams und der Morgen hatte begonnen. Folgerichtig wurde das Frühstück mit rohem Rindfleisch, mariniert in rohem Blut, Chili, Limettensaft und Koriander, sowie gegrilltem Klebereis, der während des Grillens permanent mit einer fermentierten Fischsauce bestrichen wird, komplementiert. Abgesehen vom Amuse Bouche (mit roher Leber am frühen Morgen auf nüchternen Magen muss auch ich erstmal warm werden), war der Rest erfrischend, würzig, schmackhaft und ein Paradebeispiel der Isaan Küche, die im Nordosten Thailands beheimatet ist.

Der Tag hielt weitere Neuigkeiten parat. Am Abend meines ersten Trainings, hatte ein Kollege seinen Wettkampf in einem der vier Stadien der Stadt. Nach meinem Ausflug zum Abendessen auf der Straße (es gab gegrillten Darm), schlenderte ich Richtung Gym, um mich dort mit der Meute für die gemeinsame Abfahrt zum Kampf zu treffen. Doch bevor ich das Gym erreichte, wurde ich von zwei der Trainer, mit denen ich am Morgen noch Whisky trank, aufgegabelt. Zu dritt auf dem Motorroller bretterten wir im Zickzack durch den dichten Feierabendverkehr Richtung Stadt. Die Geschwindigkeit und Manöver machten mir wenig aus, mir wurde lediglich nur etwas schwindlig von den Alkoholausdünstungen der beiden vor mir sitzenden, die offensichtlich ihren Frühstückstrunk bis in den Abend hinein fortgesetzt hatten. An jeder roten Ampel an der wir hielten, was nicht alle binhaltete, wurde den umstehenden Verkehrsteilnehmern in lallendem Tone erklärt, was es mit dem Bleichgesicht hinten drauf auf sich hat und das es nun zum Wettkampf geht. Schließlich sind die beiden bekannte Lokalmatadoren. Über die Qualitäten von einem der beiden, Bumm Bumm Thommys, werde ich im nächsten Artikel berichten.

 

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Kommentare

12 Antworten

    1. Moin Peter,

      der Zugang ist kein Problem. Die Frage ist viel mehr ob ich das möchte. Mir geht es nicht um Härte und Zerstörung, sondern um Sport, Eleganz, Schönheit, Freude und Herz.
      Ich werde das noch im nächsten Beitrag thematisieren.

      1. „Sport, Eleganz, Schönheit, Freude und Herz.“

        Anfang der 1980er stand ich in Bangkok auf einer Brücke über den Mae Nam. Es war früh am Morgen, die kurze Zeit zwischen dem Ende der Nacht und dem Beginn des Tages. Auf einem Boot trainierte ein junger Thai ausdauernd an einem Sandsack.

        Wenn ich deinen obigen Satz lese, so sehe ich jenen jungen Thai.

    1. Ei wäre auch mein erster Tipp gewesen. Ich schätze mal, es handelt sich um ein Gebäck und oben ist so eine Art Zuckerguss, die mit Eiweiß gemacht wurde?

    1. Das Offensichtliche benennend, hätte vermutlich auch Mr. S. Holmes einen Verdacht, es könne sich hierbei um ein süßes Obstpopöchen handeln, geäußert. Aber das wäre nun zu offensichtlich und würde uns die Freude des Rätselns vorenthalten. Mittlerweile habe ich das Bild auch einigen Mitreisenden vor die Nase gehalten, mit der Bitte, der eigenen Vorstellungskraft den freien und uneingeschränkten Lauf zu lassen. Die aufkommenden Assoziationen habe ich dann nur mit ‘ja’ oder ‘nein’ beantwortet. Ergebnislos, wegen kleinkariertheit des Prüfers. Deshalb an dieser Stelle die Auflösung:

      Es handelt sich um zwei Dotter, die mit Hilfe von Salz konserviert wurden und mein Frühstück um eine zufällig entdeckte Köstlichkeit bereicherten.

  1. Das ist ja toll, ein Zwei-D-Ei 🙂 Wie hat der Essenskünstler denn die beiden Dotter so schön nebeneinander arrangieren können? Ist das Dotter nach dem Konservieren dann richtig fest? Ich würde zu gern mal rein pieken 😀

    1. Zwei Dotter in einem Ei sind wirklich ein Hauptgewinn. Wie dieses Arrengement zustande kam, derüber bleibt mir nur zu spekulieren. Die Konsistenz ist vergleichbar mit der eines hartgekochten Dotters.

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