Essen in Hoi An

Nur eine wenige Stunden andauernde Busfahrt später, fand ich mich in Hoi An wieder. Der Bus war mit rigiden Liegesesseln ausgestattet, die in drei Reihen und doppelstockig angeordnet waren. So konnte ein jeder Fahrgast seinen Transit in der Pose einer Lounge-Liege zurücklegen und bot den perfekten Mittelweg für die Menschen die sich zwischen schlafen und wachen nicht entscheiden können. Egal, es war einigermaßen bequem und auch der Busfahrer erbarmte sich unser mit der Einstellung der Temperatur.

Da ich nun einige Stunden passiv verbracht hatte, entschloss ich mich, Ort meiner Begierde angelangt, der lauernden Taximafia ein Schnippchen zu schlagen und die knappen zwei Kilometer zum Hotel zu Fuß zurückzulegen. Ausgestattet mit Karte und geländegängigem Gepäck, fand ich mich 25 Minuten später vor einem geschlossenen Hotel wieder. Es war das meinige. Anscheinend hatte mein Gehirn bei der Zugfahrt Gefrierbrand erlitten, ich hatte im falschen Monat gebucht (Ich kann im März wiederkommen). Kein Problem, Hoi An war bei den Franzosen so beliebt, das sie den Ort in ein koloniales Postkartenmotivdorf verwandelten, woran sich auch heute noch Millionen von Menschen erfreuen. Es ist also eine touristische Infrastruktur vorhanden, die auch noch ein Bett für mich bereithielt.

Der Ort ist wunderschön mit seinen zweigeschössigen Bauten, die in einem warmen gelb gestrichen und mit hölzernen Türen und Läden versehen sind. Ich befand mich immer noch in der Hauptreisezeit des Landes und der Ort war voll. Das war zum Einen besonders an den Abenden spürbar, wenn sich die Menschenmassen im Lichte omnipräsenter bunter LED beleuchteter Lampions entlang des Wassers in die Lokale schoben. Zum Anderen machte es meine nicht vorbereitete Abreise kurzzeitig unmöglich (diese Episode erscheint in einem gesonderten Artikel).

Das Thema Essen rückte in diesen Tagen wieder etwas in meinen Fokus. Hoi An und die dazugehörige Provinz verfügt über eine eigene Regionalküche deren Signature Dish, das typische Gericht, Cao Lau heißt. Eine Mélange aus in dünne Scheibchen geschnittenen Schweinefleisch, Koriander und Lauchzwiebelen und frittierten Reismehlteig, die sich auf Nudeln bettet. Der frittierte Reismehlteig erinnert in Aussehen und Geschmack stark an frittierte Schweinehaut und ist für den unkonzentrierten Esser von dieser wohl nicht zu unterscheiden. Das Besondere an diesem Gericht sind aber die Nudeln. Die meisten Nudeln in Vietnam werden ausschließlich aus Reismehl hergestellt. Für die Nudeln von Cao Lau wird Reis in einer Lauge eingeweicht und dann zu Teig verarbeitet. Traditionell entsteht die Lauge aus der Kombination von Holzasche (Hartholz) und Wasser. Deshalb sind die Nudeln manchmal auch grau gefärbt. In jedem Fall haben sie einen elastisch festen Biss ohne unterkocht zu wirken. Ganz fein.

Da ich meiner Angewohnheit folgte mit Einheimischen zu plaudern und Restaurantbewertungen zu misstrauen sind, landete ich an meinem ersten Abend in einem perfekten Lokal. Ja perfekt. Das Prädikat gibt es selten und ich führe gerne aus warum.

Das Lokal befindet sich einem dieser gelben, weiter oben beschriebenen Häuser und zeigte die Spuren jahrelanger gastronomischer Nutzung. Alles in diesem Laden ist unprätentiös und die Show findet auf dem Teller statt. Aufgrund der Feiertage war das Personal halbiert, was aber zu keinen unangenehmen Wartezeiten oder eingeschränkten Service führte. Die Jungs und Mädels hatten eine hohe Schlagzahl, denn der Laden brummte. Jeder Platz auf den zwei Etagen war über Stunden mit wechselndem Publikum belegt. Meistens durch Reservierung, die ich nicht hatte. Dafür aber großes Glück und so löste ich eine Dame an ihrem raumüberblickenden Einzeltisch mit Rückendeckung ab und machte es mir dort für Stunden gemütlich. Die Karte war beeindruckend und las sich wie eine Zusammenfassung der Regionalküche, was es auch war. Jedes Gericht war ausreichend sachlich und zugleich gelüstweckend beschrieben. Ich wollte alles, riss mich aber zusammen und stellte mir ein kleines, feines 3Gängiges zusammen. Auf meinen Tellern fanden sich Geschmacksbauten abseits der gewohnten gustatorischen Muster, deren Bauteile am Morgen noch im Beet waren. Der Knaller an dem ganzen Spaß: der Preis. Der Laden könnte das Dreifache verlangen und wäre immer noch sehr preiswert. Darauf hatten die hauseigenen Cocktailkreationen keinen Einfluss.

Ich höre jetzt mal auf hier weiter eine Rezension zu schreiben. Für den nächsten Abend hatte ich mir dann einen Tisch reserviert und den Tag darauf die Kochschule des Lokals besucht. Die war zwar nicht aufregend aber ganz nett.

Fotostrecke

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Kommentare

2 Antworten

  1. Mhhh, mir ist bei Lesen und Bilder gucken das Wasser im Mund zusammen gelaufen. 😀 Sehr toll beschrieben
    Und den idyllischen Zweitwohnsitz hätte ich auch gern 😉

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