Hollywood und Kultur

Ach ja Hollywood… die wohl bekannteste aller vermeintlichen Traumschmieden, die aus Staubpartikeln Sternchen erglimmen lässt.
Dabei ist das alles doch nur eine große Inszenierung, was nicht weiter schlimm sein muss, Weihnachten ist ja auch schön.

Ein wenig von diesem Zauber lässt sich auch in den Boxstadien wahrnehmen (damit beende ich auch meine Berichterstattung über diesen Sport). Der eingeweihte Beobachter, sowie auch der Blick des Kenners, identifizieren die Kämpfe, in denen es weniger sportlich und eher schauspielhaft zugeht. Was sich jetzt nach Betrug anhört, ist auch welcher, nur ohne Leidtragende. Denn am Ende trägt der Eine seine stolzgeschwellte Brust hinaus und die Anderen das Geld. Und den restlichen Beteiligten bietet sich ein theatralisches Schauspiel, das sich selbst an den besten Bühnen kaum finden lässt.

Wie bereits erwähnt, kommen Boxer aus den verschiedensten Gegenden der Welt herbei, um sich öffentlich im Ring mit Thais zu messen. Nun ist es so, dass sich so mancher Besuchsboxer von seinen Fähig- und Fertigkeiten gerne mit Bruce Lee gleichstellt aber sein tatsächliches Talent mit diesem Wunschbild nicht im Ansatz korreliert. Was machen die lieben Thais? Hollywood. Sie inszenieren. Damit der Ärmste am Tag nach dem Kampf keine blauen Flecken sondern sein Ego massieren kann, geht der Thai in der zweiten Runde spektakulär zu Boden, wo er auch einige Momente braucht um sich von den Folgen der vorgeblich, vernichtenden Kombination zu erholen.
Der Schmerz des Verlierers ist gespielt aber die Freude des Gewinners ist echt. Weder er selbst, noch seine Freunde am Ring wissen von den schauspielerischen Qualitäten seines ausgeknockten Kontrahenten. Dieser Kampf wurde über sie hinweg entschieden.

Sportliche Ereignisse laden bekanntermaßen nicht nur zu Jubel und Biertrinken, sondern auch zum Wetten ein. Das machen Thais ganz gerne, insbesondere die männliche Fraktion. Verleiht es dem Leben doch einen leicht prickelnden Nervenkitzler, weiß man beim Abschließen der Wette doch nicht, ob man sich am nächsten Morgen noch den Sticky Rice leisten kann. In unseren Reihen hingegen, befand sich Tanja, die, wohlsituiert, sich um solch profunde Dinge keine Sorgen zu machen braucht. Sie ist sowieso eine eher ungewöhnliche, emanzipierte und nach Belieben männerumdiefingerwickelnde Thaifrau, die zusätzlich, nebst scharfem Verstand auch mit solchen Körperkonturen ausgestattet ist. Ihr Repertoire an Eigenschaften und Fertigkeiten ist für die meisten ihrer Sparringspartner fatal, so auch für ihre Wettpartner. Diese lassen sich dermaßen von ihrer Erscheinung einlullen, dass sie, wachkomatös Kampf für Kampf, ihre neu entstandenen Wettschulden begleichen.
David Copperfield hätte eine größere Mühe den Leuten das Geld aus der Tasche zu zaubern.

Wir verlassen nun die Stars der Ringe und begeben uns Richtung Norden nach Chiang Rai. Dort geht es nicht weniger glitzernd zu. Der Weiße Tempel (Wat Rong Khun) ist nicht nur skurriles Zeugnis eines Künstlers an seinen buddhistischen Glauben, es ist auch ein begehbares Kunstwerk (wer wissen will was schneeblind bedeutet, besichtigt das Ganze bei strahlendem Sonnenschein ohne Einsatz einer Sonnenbrille). Auch wenn sich die klassischen Elemente buddhistischer Tempel wiederfinden lassen, umwabert das Konstrukt ein Hauch von Disneyland, was bei der Touristenlawine für Begeisterung sorgt, weil man sich nun wieder auf Instagram blicken lassen kann. Für mich kein Ort um aus spirituellen Motiven hinzupilgern.

Auf spiritueller Ebene ernster wahrzunehmen ist der Blaue Tempel (Wat Rong Seua Ten). Neben der dominierend blauen Farbe, Chiang Rai wird auch gerne als die Stadt der farbigen Tempel bezeichnet, fallen die feinen und detailreich ausgeführten handwerklichen Arbeiten auf. Ich verzichte jetzt darauf auf weitere Einzelheiten einzugehen, denn wie auch bei dem tatsächlichen Ausflug, geht der Tempelmarathon nach einer kurzen Erfrischung weiter.

Letzter Punkt auf der Tagesausflugagenda (versuch das mal in einer anderen Sprache), war der Schwarze Tempel, der aber kein Tempel, sondern ein Museum ist, welches Schwarzes Haus (Baan Dam) genannt wird. Aber da Chiang Rai die Stadt der farbigen Tempel ist, reiht sich dieses Museum mal gerne in die Riege der Tempel ein. Hier wurde allerdings ein ganz anderer Kult betrieben. Einer der renommiertesten, zeitgenössischen Künstler Thailands, Thawan Duchanee, dem auch internationaler Ruhm zuteil wurde, wirkte und lehrte auf diesem Gelände, bis er 2014 verstarb. Dieses Gelände ist nun Heimat für Teile seiner skulpturellen Kunst und kann besichtigt werden. Die Exponate wirken, zumindest auf mich, ein wenig morbid. Nirgends habe ich bisher eine solche Fülle verschiedenster Tierhäute, Schädel und Knochen gesehen, die auch gerne zu Möbelstücken zusammengefügt wurden.
Sehr sympathisch dagegen ist seine Liebe zum primären männlichen Geschlechtsmerkmal, dem Penis.
Huch, ich hab Penis gesagt. Penis!

Diese Liebe fand ihren Ausdruck darin, in dem Duchanee, alles, wirklich alles was auch nur im Entferntesten mal ein Penis sein könnte, in diesen verwandelte. Es gibt auf dem ganzen Gelände mehr erigiertes Holz zu sehen als auf dem Berliner CSD. Kleiner Trost, ich habe auch eine Vagina gesehen.

Glückselig verlassen wir nun Thailand und weiter geht es in China. Man hört ja so die verrücktesten Sachen was die so treiben. Mal schauen was da so los ist.

Bis gleich …

 

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