Warum ausgerechnet Ceviche in Bangkok?

Der Flug von Berlin über Stockholm nach Bangkok verlief unspektakulär. Bedauerlicherweise konnte ich trotz des Kindergeschreis, wechselnd zwischen Soli und Kanon, auf dem Flug nicht schlafen, was sich später noch rächen sollte. Doch die viele Wachzeit gab mir die Gelegenheit, mich innerlich auf den Tumult von Bangkok vorzubereiten, den Geräuschpegel hatte ich ja schon.

Der nördliche Teil von Old Town Bangkok ist seit Jahren mein bevorzugter Ort des Residierens und ich habe schon dutzende Unterkünfte ausprobiert, immer auf der Suche nach der geeigneten Kombination aus Charme, günstig, Lage und äh … ja, mittlerweile auch Komfort (nichts verleidet den Schlaf mehr als ein Klumpen Putz, der des Nachtens einem von der Decke ins Gesicht fällt, als Nutzer des Raumes steht man dann nicht selten unter Genralverdacht des Vandalismus). Mittlerweile habe ich ein paar ganz nette und für Bangkoker Verhältnisse auch ruhige Ecken ausfindig machen können. Hier und da glückte es mir auch Bekanntschaften aufzubauen, was aufgrund der sprachlichen Differenzen nicht immer so einfach ist.

Nachdem ich meine Sachen im Hotel abgeworfen hatte, einchecken war am Morgen verständlicherweise noch nicht möglich, und ich á la Clark Kent mich in der Toilette umgezogen hatte (endlich wieder Nicki und kurze Hose!!!) , begab ich mich auf den Weg Dan (Dähn) zu besuchen. Dan besitzt und betreibt ein Café und zwar ein sehr schönes, in dem er auch selbst die Kuchen backt. Sein Interior ist dem Stile französischer Cafés der Zwanziger Jahre entlehnt, genauer gesagt ist es eine New Yorker Interpretation dieses Stiles, wie mir eine vermeintlich sachkundige Dame ein Mal mitteilte. Lirum larum, da Dan auf Anhieb nicht anzutreffen war, streunerte ich durchs Viertel, die Augen offen für Veränderungen in der letzten Zeit und Neuentdeckungen. Ich fand sie.

Ein Gebäude, das etwas kolonial anmutet (jetzt hätte ich die sachkundige Dame wieder brauchen können) fing meinen Blick ein. Nur zur Erinnerung: Thailand wurde nie durch Europäische Mächte kolonialisiert, was auf seine herum angrenzenden Nachbarn nicht zutrifft. In diesem Gebäude, dem offensichtlich viel handwerkliche Aufmerksamkeit gegeben wurde, befindet sich das Na Café. Es zog mich hinein. Drinnen erfreuten sich meine Augen und Füße an einem 150 Jahre alten Fußboden aus Teakholz. Während ich die Räumlichkeiten durchschritt, wurde Suzanna meiner Anwesenheit gewahr und erklärte mir diesen Betrieb, dessen Beschreibung etwas von einem Gemischtwarenladen hat und ich es deshalb nur in Stichworten wiedergebe.

Als NGO (Nichtkommerzielle Organisation, keine Gewinnmaximierung) werden ein Café, Bildungseinrichtung, Galerie und Restaurant unter jenem diesem Dach betrieben, was auch zur Förderung der strukturschwachen Nachbarschaft dienlich sein soll. Das ist ja sehr vertraut, strukturschwach kenn ich auch aus der Uckermark und Essen interessiert mich sowieso.

Ich bin kein wahnsinnig großer Kaffeetrinker und doch kann mir eine gute Tassen dessen eine große Freude bereiten, die mir mit sorgfältig gebrühtem single origin coffee aus Guatemala (die Nerds wissen was ich meine) auch bereitet wurde. Und während Suzanna und ich so schnackten, gesellte sich der Koch zu uns. Santiago heißt er und kommt aus Perú – Jackpot!!!

An dieser Stelle sei mir ein kleiner Einschub gestattet, um die Tragweite dieser Entdeckung zu verdeutlichen. Die Peruanische Küche erobert, und vor allem begeistert, seit einigen Jahren die gastronomische Welt und verschafft Menschen aus der Fressszene nicht nur tropfende Mundwinkel sondern auch feuchte Schlüpfer. Meiner war definitiv feucht, könnte aber auch an den noch bis dahin ungewohnt hohen Temperaturen gelegen haben.

Jedenfalls habe ich mich gleich bei Santiago zum Essen angemeldet, um seine Version von DEM Peruanischen Klassiker zu bekommen, Ceviche. Nach einigen Erledigungen, ich hatte gehofft mir den Jetlag präventiv in zweieinhalb Stunden wegmassieren lassen zu können und Bezug meines Zimmers, kehrte ich zurück. Zu meiner Entzückung gehört zu dem ganzen Projekt auch eine Bar, sodass ich zusätzlich zum Ceviche auch noch einen Pisco Sour, natürlich mit Eiweiß, schlürfen konnte. Der Pisco war perfekt gemixt und ich hatte das Gefühl er half mir anzukommen. Das Ceviche bestand, bis auf die Kartoffeln, ausschließlich aus lokalen Zutaten. Häääh, was machen Kartoffeln im Ceviche? Richtig, eigentlich nur stören denn sie gehören nicht dazu. ABER im vorangegangenen Gespräch, wurde diese Spielart erwähnt und meine Neugierde ward geweckt und nicht enttäuscht. Im Anschluss des Schmauses konnten Santiago und ich uns noch gegenseitig Tricks & Kniffe des kulinarischen Handwerks entlocken.
Bevor ich mich hier aber in deren Details verliere, fasse ich den Besuch im Café Na zusammen: ganz großes gustatorisches Kino.

Jetzt kann ich beruhigt nach Hause und meinen zufriedenen und müden Körper zur Ruhe betten…

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Kommentare

2 Antworten

  1. Erster!
    Damit habe ich dem Troll Kommentar genüge getan😀. Schöner Beitrag mit wissenswerten Auszügen der peruanischen Küche. Gerne mehr davon. Auch gerne konkreter benennen was du bisher an guten Unterkünften in Bangkok gefunden hast. Ich rechne auf dieser Seite nicht mit Stalkern, oder?😉. Weiterhin viele schöne Eindrücke in Bangkok und über eine Schriftspende in diesem Block deinerseits würde ich mich freuen.
    Lass krachen.
    Gruß Mo

  2. Möönsch, jetzt sehe ich ja erst, dass du unsere beiden dicken Würste („that’s what she said“) fotografiert und veröffentlicht hast. Schön.
    Wenn du zurück kommst, können wir ja erneut Würste am Flughafen kreuzen.

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