Welcome to Taiwan

Es war bereits früher Abend und ein ganz leichter Regen fiel, als ich in Taipeh ankam. Doch davon bekam ich erst auf dem letzten halben Kilometer, den ich zu Fuß zu unserem kleinen Apartment, unserem Zuhause für die kommenden Tage, zurücklegte etwas mit. Dort warteten bereits meine beiden Mitreisenden, die auch schon gegessen hatten. Das hatte ich nicht und mich packte umgehende Nestflucht, um dem beim Abflug in Saigon erlittenen Energie- und Schweißverlust etwas entgegen zu wirken.

In kleinen, dunklen Gassen, in denen ein Licht nach dem anderen abgeschaltet wurde, fand ich große Erlösung in einer kleinen Butze, in der ich der letzte Gast des Abends war. Wenn Dich der Hunger packt … dann kommt eine Taiwanesische Rinder-Nudelsuppe einer Offenbarung gleich. Ich hatte auf Anhieb mit einem der typischen und äußerst befriedigenden Gerichte Bekanntschaft, pardon, Freundschaft geschlossen. Wer den letzten Vietnamartikel aufmerksam gelesen hat, dem wird nicht entgangen sein, das auch Vietnam eine Tradition der Rinder-Nudelsuppe Phò besitzt. Die feinen Unterschiede der Beiden zu erläutern, hebe ich mir für andere Zeiten auf.

Was sofort auffällt, besonders aus Vietnam kommend, ist die Hörigkeit an Verkehrsregeln. An einer roten Ampel zu stehen und zu warten, obwohl nur zwei, drei Autos vorbeifuhren, löste großes Unbehagen und Widerwillen in mir aus und forderte ein nicht unbeträchtliches Maß an Disziplin stehen zu bleiben. Ich hoffte es würde nicht zu noch mehr solch verstandsbeschränkender Regeln kommen. Naja, zumindest darf ich auch hier weiterhin schmatzen und schlürfen (geschmatztes Essen schmeckt einfach besser, probiere es aus), dass hatte ich bei meinem Abendmahl herausgefunden.

Mit der hiesigen Esskultur bin ich wunderbar im Einklang, wozu die Freiheit am Tisch enorm beiträgt. Doch nicht nur da. Taipeh erfreut sich einer international anerkannten und respektierten Streetfood Kultur. Ganze Straßenzüge sind mit kleinen Fressbuden gesäumt, die um die Gunst der tausenden vorbeischlendernden Leckermäulchen buhlen. Auch wenn das, gerade in Asien, kein Novum ist, so fällt doch besonders die große Vielfalt und der Ideenreichtum auf. Zumindest kannte ich bis dato noch keine Riesenauster, die in einer ihrer Schalenhälften liegend auf dem Hibachi, einem kleinen, einfachen und mit Holzkohle befeuerten Grill, gegart und anschließend im Ofen mit Käse überbacken wird. Ist nicht mein Ding aber das gibt’s. Mich hingegen haben golfballgroße, frittierte Kugeln, bestehend aus einer Art Duriancréme mit Fruchtstückchen beglückt. Ist auch nicht jedermanns Sache : )

Nun können wir ja nicht die ganz Zeit essen, leider und die Verdauungspausen wollten sinnstiftend gefüllt werden. Auch das ist in Taipeh sehr einfach und da drängt sich das Palace Museum geradezu auf. Um diesem Ereignis den Glanz zu verleihen den es verdient, hier vorab eine kurze geopolitische Degression:

Die taiwanesische Insel war bis 1945 unter der Fuchtel des japanischen Kaiserreichs und fiel anschließend der Republik China zu. Achtung! nicht Volksrepublik China, denn die wurde erst 1949, nachdem die Kommunistische Partei im Bürgerkrieg den Sieg errungen und Mao den Thron des Zentralkomitees bestiegen hatte, gegründet. Nun wehte ein anderer Wind in diesem China, der nicht jedem gefiel. Unter Chiang Kai-Shek, packten die Nationalisten alle sieben Sachen, darunter viel Gold und noch viel bedeutender, Unmengen an Chinesischen Kulturschätzen der letzten paar tausend Jahre, und schifften sich nach Taiwan ein. Dort ringen sie noch heute mit China um Souveränität (Kai-Shek zwar nicht, der ist schon tot und so etwas wie ein Nationalheld). Taiwan ist das wohlhabendste Land der Welt, das nicht von der UN anerkannt ist.

Wer im Geschichtsunterricht aufgepasst hat weiß, das die Große Kulturrevolution ein großes Reinemachen war und neben 50 Millionen Menschen, auch Mengen an Kulturgütern ihr jähes Ende fanden. Deshalb lässt sich aus kultur-historischer Sicht, die Leistung Kai-Sheks kaum zu hoch ansiedeln. So lassen sich im Palastmuseum Kulturgüter aller Dynastien bestaunen, die es auf dem Festland nicht mehr zu sehen gibt. Tonwaren, Porzellan, Keramik, Malereien, Schmiedearbeiten, Steinarbeiten, Gedichte, Schmuck, Jade …. es nimmt kein Ende und ist im wortwörtlichen Sinne überwältigend. Dabei haben wir nur einen klitzekleinen Ausschnitt, aus der mehrere zehntausend Einzelstücke umfassenden und immer wieder wechselnden Ausstellung, gesehen.

So, jetzt ab in die Pause, der Unterricht ist zu Ende. Und keine Rempeleien auf dem Schulhof!

Fotostrecke

Gleite mit dem Mauszeiger oder Deinem Finger über die Bilder und sie werde mehr über sich preisgeben.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.